Kühnis Brillen & Hörwelt

Therapiemöglichkeiten

Wie behandelt man akuten Tinnitus?

Nach derzeitigem Erkenntnisstand sollte ein akuter Tinnitus innerhalb der ersten 24 Stunden wie ein Hörsturz behandelt werden.
Dazu gehören eine hochdosierte kurzzeitige Cortisongabe und Medikamente zur Verbesserung der Fliessfähigkeit des Blutes.
Diese Medikamente werden als intravenöse Infusion verabreicht. Eine Infusionsbehandlung dauert maximal acht Tage.
Privater oder beruflicher Stress muss vermieden werden. Entspannung ist jetzt das Wichtigste. Angst kann den Tinnitus zum Teufelskreis werden lassen.
Bei guter Aufklärung des Betroffenen tritt der Tinnitus aus der Wahrnehmung häufig wieder heraus.

 

Wie behandelt man chronischen Tinnitus?

Die Vorstellungen über die Entstehung von Tinnitus wurden Anfang der neunziger Jahre durch Prof. Pavel Jastreboff zu einem "Neurophysiologischen Modell" zusammengefasst. Daraus entwickelte er in Zusammenarbeit mit Prof. Jonathan Hazell die Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT). Sie ist die derzeit erfolgversprechendste Therapie störender Ohrgeräusche.
Die Tinnitus-Retraining-Therapie lässt ein Ohrgeräusch nicht in jedem Fall dauerhaft verschwinden.
Sie werden bei dieser Behandlung aber lernen, Ihren Tinnitus weniger laut wahrzunehmen.Oft merken Sie ihn überhaupt nicht mehr, wie die Brille auf der Nase oder die Kleidung, die Tag und Nacht Ihr sensibelstes Organ, die Haut, bedeckt.
Es ist unmöglich, an den Tinnitus NICHT zu denken. Aber Sie haben die Möglichkeit, an etwas anderes zu denken!

 

Was bedeutet Tinnitus-Retraining-Therapie?

Die bei uns durchgeführte Behandlung besteht aus drei Teilbereichen:

  • Tinnitus-Bewältigungs-Therapie
  • Technische Hilfsmittel
  • Psychologische Betreuung

 

Der wichtigste Bestandteil der Behandlung ist die Tinnitus-Bewältigungs-Therapie.
Sie verbindet folgende psychotherapeutische Elemente:

 

Beratung
Unter Beratung verstehen wir die Aufklärung über das Phänomen Tinnitus. Erst wenn Sie die Angst vor Ohrgeräuschen verlieren, sie nicht mehr als bedrohlich empfinden, steht der Weg zur Gewöhnung offen.
Beratung ist deshalb die Grundlage der Tinnitus-Bewältigungs-Therapie.

Hör-Training
Tinnitus ist eine Störung Ihrer Hörwahrnehmung mit Fixierung auf ein bestimmtes, unangenehmes Geräusch. Im Hörtraining versuchen wir gemeinsam, diese Fixierung zu durchbrechen, indem wir Ihre Aufmerksamkeit bewusst auf andere akustische Reize lenken. So lernen Sie, trotz Tinnitus auch angenehme Klänge, etwa Musik, wieder zu geniessen. Wir wollen Ihnen die Freude am Hören wiedergeben.

 

Technische Hilfsmittel zur Gewöhnung an den Tinnitus
Rauschgeräte (Noiser) und Hörgeräte unterstützen passiv das aktive Tinnitus-Bewältigungs-Training.

Wie lange dauert eine Tinnitus-Retraining-Therapie?
Die Gewöhnung an den Tinnitus kann ein bis zwei Jahre dauern. Die einzige Voraussetzung für die Behandlung ist Ihre aktive Mitarbeit.
Unabhängig von der Ursache des Tinnitus führt sie in 70 bis 80 Prozent aller Fälle zum Erfolg.

Was sind Noiser?
Der Tinnitus beansprucht Ihr gesamtes Hörzentrum. Ablenkend wirkt ein leises Rauschen, das von sogenannten "Noisern" erzeugt wird.
Moderne Geräte kann man so programmieren, dass sie ein für Sie angenehmes Rauschen abgeben, welches Sie nach kurzer Zeit nicht mehr wahrnehmen werden.

Beeinflussen Noiser das Gehör?
Das Gehör wird durch Noiser weder vermindert noch verbessert. Im Gegensatz zu früher angewandten Methoden darf das Rauschen Ihren Tinnitus nicht überdecken. Nur dann wird Ihr Ohrgeräusch auf unbewusste Weise in das harmlose Rauschen integriert. Die Hörwahrnehmung des gesamten Gehirns soll trainiert werden. Sinnvoll ist deshalb, beide Ohren mit Noisern zu versorgen. Empfohlene Tragedauer: sechs bis acht Stunden pro Tag. Die individuelle Anpassung erfolgt durch unseren Hörgeräteakustiker.

In welchem Fall ist das Tragen von Hörgeräten sinnvoll?
Ein Ohrgeräusch tritt häufig zusammen mit einer Hörminderung auf. Der Tinnitus besitzt fast immer genau die Frequenz, die man am schlechtesten wahrnimmt. Gleicht man die Hörminderung in dieser Tonhöhe aus, erhält das Gehirn vermehrt äußere Informationen. Die Folge: Der Tinnitus wird leiser. Deshalb passt man Hörgeräte bei Tinnitus schon bei geringen Hörverlusten an.

Können Hörgeräte mit Noisern kombiniert werden?
Ein Hörgerät kann auch mit einem Noiser kombiniert werden.Die Entscheidung treffen Arzt und Hörgeräteakustiker individuell. Wichtig ist nur eins: Ihre Hörqualität zu verbessern.

Gehören Hörgerät oder Noiser in jedem Fall zu Tinnitus-Behandlung?
Hörgeräte und Noiser sind Bestandteil der TRT. Ihre Anwendung ist sinnvoll, aber nicht zwingend notwendig.
Wird der Einsatz der Geräte aber nicht mit anderen Behandlungsschritten kombiniert, führt er nicht zu einer Gewöhnung an das Ohrgeräusch.

Psychologische Betreuung
Manchmal ist das Ohrgeräusch lediglich das erste Anzeichen ungelöster Probleme, die dem Patienten nicht einmal bewusst sind.
Im psychologischen Gespräch können diese Zusammenhänge erkannt und, falls notwendig, behandelt werden. Ausserdem werden Sie Techniken zur Entspannung lernen. Entspannungstechniken helfen, den Stress des Alltags abzubauen, über Schlafstörungen hinwegzukommen und sie fördern das allgemeine Wohlbefinden.

Was bedeutet Hyperakusis?
Reagiert jemand schon auf relativ leise Geräusche überempfindlich, spricht man von Hyperakusis. Sie entsteht wie der Tinnitus durch Störungen bei der zentralen Verarbeitung von Schallsignalen. Eventuell vorhandene Ohrgeräusche können dabei kurzzeitig verstärkt werden Menschen mit einer Hyperakusis leben nur noch mit Ohrstöpseln und ziehen sich aus der Gemeinschaft vollkommen zurück.

Wie wird eine Hyperakusis behandelt?
Die Behandlung erfolgt gemäß der TRT - mit einem Unterschied: Geräusche, etwa bei der Einstellung der Noiser oder bei der Hörtherapie, werden viel vorsichtiger dosiert. Einen Gehörschutz sollte der Patient allerdings nur bei Lärm benutzen. Schon nach wenigen Monaten können sich die meisten Betroffenen wieder den normalen Umweltgeräuschen aussetzen und sogar ein Konzert besuchen.